„Abitur auf dem iPad, wie geht das denn?“ werden Sie fragen.

Im Fach Musik habe ich dieses Vorhaben bereits im Jahr 2011 mit den damaligen Abiturienten umgesetzt, denn:

  • Entsprechend der Allgemeinen Prüfungsordnung für die Gymnasiale Oberstufe ist es im Fach Kunst und Musik auch möglich eine fachpraktische-gestalterische Prüfung im vierten Abiturfach abzulegen, siehe: APO-GOSt NRW §21 (4):
  • “In den Prüfungsfächern Kunst und Musik kann auch eine praktisch-ge- stalterische Aufgabe Bestandteil der Prüfung sein”.

Die Prüflinge meines damaligen Musikkurses hatten sich zu einer solchen Prüfung entschieden und in mehreren Unterrichtsreihen vorbereitend musikpraktisch gearbeitet und auch Komponiert (“Songwriting“). Dazu nutzen wir das Programm GarageBand zunächst auf dem iMac und nachdem das App GarageBand analog dazu für das iPad verfügbar wurde, setzten wir dieses auch auf den iPads ein. Anleitungen und Screenshots und auch weitere Aspekte des Songwriting stand bereits auf unserem Schulwiki bereit.

Foto1

Im Unterricht erstelltes Arrangement

Auch in diesem Jahr war es eine Abiturientin, die sich zur fachpraktischen Prüfung gemeldet hatte. Vorbereitend konnten wir auf die bereits in 2011 zusammen mit den damaligen Lernenden erstellten OER-Materialien (OER = Open Educational Resources = Offene Bildungsmaterialien) auf unserem Wiki und Blogs zurückgreifen. Zusätzlich dazu erstellte die Abiturientin eigenverantwortlich weitere Produktionen und Tutorials, die wiederum auf den Lernplattformen gesammelt wurden.

In diesem Jahr kam statt den „normalen“ iPads auf Wunsch der Abiturientin eines unserer iPad-Mini zum Einsatz, das man hier unten links im Bild sieht.

20121218-131719.jpg

iPhone5, iPadMini, iPad3

Auch mit diesem Device klappte der Einsatz in der Prüfung problemlos. Die Größe des Screens ist im Vergleich zum normalen ipad2 nicht wesentlich kleiner und die Darstellung der 8 Spuren, der Keyboardtasten und Bedienungselemente ausreichend groß.

Das iPad wurde entsprechend vorbereitet, vorhandene Inhalte gelöscht und Safari und Mail ausgeschaltet um eventuelle „Recherchen“ während der Prüfung zu unterbinden. Ob ein derartiges Vorgehen d.h. das „Abschalten“ der in der Lebenswelt der Jugendlichen und in einer digitalen Gesellschaft ständig verfügbaren Informationsquellen und Wissensspeicher heute und auch in einer Prüfung noch Sinn macht, oder ob dies eher dem Bildungs- und Prüfungsbegriff des 19. Jahrhunderts entspricht, soll hier nicht weiter diskutiert werden. Unstreitig ist es aber, dass es in Zukunft um den Erwerb anderer Kompetenzen, um die Herausbildung von persönlichen Lernnetzwerken, Informationskompetenz und das Teilen von Wissen gehen wird und weniger um das auswendig lernen von Fakten(wissen).

Im praktischen Teil der mündlichen Abiturprüfung nutze die Abiturientin ebenfalls GarageBand zur Erstellung ihrer Komposition. Dazu musste Sie zunächst einen vorgegebenen Song/Harmoniefolge analysieren und auf der Basis dieser Analyse einen eigenen Song komponieren. Der erstellte Song wurde dann in der Prüfung präsentiert und der Kompositionsprozess sowie die Analyseergebnisse erläutert. Die Ergebnisse können hier aus verständlichen Gründen nicht gezeigt werden.

Spannend fand ich es zu sehen, dass die in den vergangenen 3 Jahren der Oberstufe mit der Schülerin praktizierte selbständige, vernetzte und problemlösende Arbeitsweise, die auch bei anderen Fachinhalten in Musik konsequent verfolgt wurde und vorwiegend produktorientiert war, im Vergleich zu „anders“ Lernenden scheinbar eine positive Auswirkung auf Arbeitsweise, Ergebnis und Vortrag hatte. Wünschenswert wäre es, diese Erfahrungen in der Breite evaluieren und objektiv beurteilen zu können.

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Über André J. Spang (@Tastenspieler)

Lehrender, Musiker, Komponist, Pianist, Blogger...

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  1. iTOtto sagt:

    Dafür gibt es das „Guided Access“ Feature des iPad, dann muss man nicht einzelne Apps sperren, Daten löschen etc. und hat nach der Prüfung sofort das iPad wieder im alten Zustand.

  2. wieso scheinbar?
    Beste Grüsse
    S. Busch

  3. […] im mündlichen Abitur in Musik kamen die iPads bereits zwei mal zum Einsatz. Hier ging es um “Musikproduktion mit dem […]

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