Im vorangegangen Post mit dem Header „Was ist eigentlich OER?“ habe ich kurz erläutert, was dieser Begriff bedeutet und ein gerade erschienenes Erklärvideo zum Thema vorgestellt. Im heutigen Post geht es nun um das genaue Gegenteil, nämlich Bildungsmaterialien die nicht unter einer freien Lizenz stehen: Unsere „guten alten neuen Schulbücher-eBooks“, die „Digitalen Schulbücher„. Lange angekündigt, mehrfach zurück gehalten sind sie nun endlich doch erschienen.

Was ist das denn nun und wie funktioniert es? Gut, dass es auch hierzu ein Erklärvideo gibt:

Das guckt sich vielversprechend an. Angeblich können die Nutzer aus 500 Titeln für mehr als 40 Fächer und Berufe wählen – diese Titel sind natürlich in gewohnter Weise auf die Lehrpläne in Deutschland abgestimmt, klar, es sind ja auch „die“ Digitalisate der Schulbücher. Dazu gibt es ein Buchregal in dem die gekauften Bücher dann stehen, man kann Notizen einfügen, markieren, Lesezeichen setzen, Audio abspielen – ganz wie im Film  gezeigt. Und es funktioniert (zumindest auf dem Rechner), getestet habe ich es bereits, wie die Screenshots zeigen. Tablets bleiben allerdings noch außen vor, Apps dafür gibt es nicht und auch auf dem Rechner muss der Flashplayer installiert sein.

Quelle: Screenshots, digitale-schulbuecher.de

Von Copy, Rip, Remix sind die „Digitalen Schulbücher“, dieses Gemeinschaftsprojekt aller großen Schulbuchverlage jedoch weit entfernt, ganz zu schweigen von integrierten, interaktiven Funktionen, wie man es als Lehrender und Lernender in anderen Ländern schon nutzen kann. Auch eine wirkliche Verbindung zum Netz, kollaborative Arbeitsplattformen, konstruktiver und kompetenter Umgang mit digitalen Medien und Anwendungen, die ein Endgerät bietet, auf dem die digitalen Schulbücher nun mal laufen müssen, fehlen. Aber: „Erweiterungen und Entwicklungen sind geplant und werden in Kürze folgen“, heisst es. Und weiter erklärt uns Christoph Bornhorn, Geschäftsführer des Verband Bildungsmedien e.V.: „In den nächsten Wochen und Monaten wird die Anzahl der verfügbaren Produkte noch deutlich steigen. Und die beteiligten Verlage werden ihre Produkte Schritt für Schritt auch multimedial anreichern.“ Die Software dazu soll es erlauben auch Videos und Internetlinks einzubinden.

Doch: Die digitalen Schulbücher sind nun mal eben bisher nur digitalisierte Bücher plus ein klein wenig „x“. Dies zog z.B. bei Twitter schon viele kritische Tweets nach sich, wo zu lesen war, dass „dieses Projekt so keine Chance hat, keine wirkliche Veränderung bringt, zwar ein digitales, aber eben immer noch ein Schulbuch 1.0 ist“  und, wie ich meine vor allem jetzt noch keines ist, das von Lehrenden und Lernenden offen mitgestaltet werden kann und so die kollaborative Power des Netzes aufgreift, und Fähigkeiten und Wissen der User nutzt und bündelt.

Dass in den digitalen Schulbüchern noch viel Entwicklungspower steckt, wissen die Verlage, wie ich in Gesprächen heraus hören konnte – bleibt zu hoffen, dass sie diese Power nutzen und die Funktionen für eine wirkliche Veränderung bald nachliefern und sich trauen, das Ganze zu sehen – dafür wünsche ich Mut und den Willen, die Bildungsmedien für Lernende und Lehrende zukunftsfähig zu machen.

Für die zahlreichen, an Schulen mittlerweile etablierten Projekte mit Tablet-PCs oder künftige BYOD-Modelle bedeuten die digitalen Schulbücher einen großen Schritt nach vorne, bringen sie doch die „bewährten“ Schulbücher (vorausgesetzt, die „Flash-Hürde“ wird durch entsprechende, bereits angekündigte Apps überbrückt) im Handumdrehen auf diese Devices und machen den Ranzen der Schüler und den Einstieg für viele, technisch noch nicht so versierte Lehrer leicht.

Berechtigt ist allerdings die Frage, ob wir heutzutage noch ein herkömmliches, wenn auch digitalisiertes Schul“buch“ brauchen oder, ob die Entwicklung eine ganz andere sein wird, wie man hier, hier oder auch hier und an vielen anderen Stellen nachlesen, findennutzen und vermuten kann.

Es bleibt spannend!

Über André J. Spang (@Tastenspieler)

Lehrender, Musiker, Komponist, Pianist, Blogger...

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  1. guibro sagt:

    Die Frage für die Verlage wird sein, wie groß der zu erwartende Markt sein wird. Und was die Lehrenden von einem digitalen Schulbich erwarten. Also ich meine nicht die Nerds, sondern die 0815 Lehrenden. Wollen die wirklich ein selbst zu gestaltendes Schulbuch? Wäre das innerhalb heutigem Urheberrecht überhaupt möglich? Ich denke, die Verlage produzieren Masse und haben weniger einen spezialisierten Longtail Markt im Kopf. Und seien wir doch mal ehrlich, es geht um Wirtschaftlichkeit bei der Schulbuchproduktion, es muss sich lohnen.

  2. Enno sagt:

    Ich kann mich maßlos aufregen über die „Innovationsfreude“ unserer Schulbuchverlage. Da geht auch kein Verlag ein unternehmerisches Risiko ein, denn die herkömmliche Schulbuchproduktion ernährt alle Verlage prächtig. Auf der didacta im Februar 2012 war ich begeistert vom Klett-Vorhaben für mein Französisch Lehrwerk. Leider ist nur eine pdf-Version des Buches herausgekommen, die man auch nur auf dem Computer und nicht auf dem iPad nutzen kann, ganz zu schweigen von fehlenden Audio- und Videofiles die ein interaktives Buch ausmachen. Ähnlich sieht es bei Lehrwerken anderer Verlage aus.

  3. […] und speichern dürfen. Und ganz nebenbei sind auch die uns bekannten Schulbücher aller Verlage auf gutem Wege als digitales Pendant verfügbar zu […]

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