Am vergangenen Mittwoch, dem 20.6.12 war es dann soweit und das Grimme Institut hat zur Preisverleihung des Grimme Online Award in die Veranstaltungshalle „DOCK.ONE“ nach Köln eingeladen. Acht Websites sind in diesem Jahr für herausragende publizistische Leistungen ausgezeichnet worden, 26 der 1900 Bewerber wurden nominiert. Es war eine sehr spannende, kurzweilige und facettenreiche Veranstaltung. Neben Websites konnten dieses Jahr auch Apps, also Anwendungen für mobile Geräte eingereicht werden.

Es war mit eine Freude die Veranstaltung live und in Bühnennähe, und, wie man auf dem Foto erkennen kann, umgeben von „Prominenz“,  mit verfolgen zu dürfen🙂

Details zur Preisverleihung kann man hier nachlesen und viele Bilder zur Veranstaltung gibt es bei Flickr zu sehen.

Eine noch größere Freude war es für mich, dass ich die Möglichkeit hatte unser iPad-Projekt und das Lernen mit Web2.0 und Wiki, das an der KAS praktiziert wird in einem Artikel in der Preispublikation zum Grimme Online Award auf Seite 9 vorzustellen. Den, im „Holzmedium“ bereist am vergangenen Mittwoch erschienenen Artikel möchte ich den Lesern dieses Blogs nicht vorenthalten😉

Hier der Originaltext in ungekürzter Form:

Medienwelten der Lernenden2.0

Kurz vor Unterrichtsbeginn wird noch mit Freunden gechattet, Neuigkeiten gepostet oder ein Video auf YouTube geliked. Eine meiner Schülerinnen erzählt mir, dass sie in Eigenregie für die ganze Klasse eine Facebookgruppe erstellt hat – sie besucht die Klasse 5 des Kaiserin Augusta Gymnasiums in Köln. Betrachtet man aktuelle Zahlen der JIM- oder Bitkomstudien, bestätigt sich wenig Überraschendes: Jugendliche zwischen 12-19 Jahren, die „Digital Natives“ sind online, besitzen mobile Internetgeräte und haben damit “das Internet in der Hosentasche”.

Und im Unterricht? Medien und Internet werden sehr wenig und dann in der Regel vor allem zur Recherche eingesetzt. Das Potential des „Web2.0-Mitmachnetzes“ bleibt dabei ungenutzt und Hausordnungen verbieten (noch) den Einsatz der mobilen Geräte der Schüler.

Will man als Pädagoge dem Mediennutzungsverhalten der Jugendlichen gerecht werden, sie auf ihrem Weg zum mündigen Mediennutzer unterstützen und eine neue Lernkultur fördern, kann dies durch Integration von Medien und Internet in den Unterricht gelingen – aber nur dann, wenn sich mit der Lernkultur auch die Rolle des Lehrenden ändert, eine Herausforderung der wir uns stellen möchten.

iPad, “KAS”-Wiki und Weblogs: Ein Praxisbericht

Die Integration von Medien und Internet in den Unterricht, die über den etablierten Recherchezweck hinaus geht, ist das Ziel des  „iPad-Projekts“, dass seit Februar 2011 an der Kaiserin Augusta Schule (KAS) existiert. Im Rahmen dieses Projekts setzen wir mit vierzig Kollegen 30 der Tablet-PCs im Unterricht der Klassenstufen 5-13 ein. Die hochmobilen Geräte zeigen sich flexibel im Einsatz und stören die Lernatmosphäre nicht, ein Wechsel in den “Informatikraum” ist nicht notwendig, denn durch die Tablets sind das Internet und die App da, wo sie gerade gebraucht werden, ohne, dass Bildschirme, unhandliche Geräte oder leere Laptopakkus das Lernen ausbremsen. Dabei wird das Internet aktiv in den laufenden Unterricht eingebunden, die Lernenden erstellen Contents auf der schuleigenen Wikiplattform, dem „KAS Wiki“ und auf Blogs und arbeiten projekt-, produktorientiert und selbstbestimmt. Die Klasse 7c erstellte in Kollaboration einen Stadtführer über Köln “Une viste guidée de Cologne” komplett in französischer Sprache. Natürlich sind nicht alle Texte fehlerfrei, aber “wir haben viel genauer und motivierter gearbeitet, da es ja jeder lesen kann und uns gegenseitig geholfen mit der Diskussionsfunktion der Wikiseiten. Die Seite ist cool geworden”. Die 5a wird mit den iPads mittels “Google Maps” und integrierter Kamera die Umgebung der Schule erkunden und dabei Wikiseiten zum Thema “Kirchen in Köln” samt Bildern, Texten, Interviews und Filmen verfassen. Musikproduktion, Audioboos oder Podcasts, für Präsentationen und vernetzte Mindmaps stellen auch für 5-Kläßler kein Problem dar. Zwei Schülerinnen aus der 5a nutzen die App Audioboo dazu, um ein selbst entworfenes Interview aufzuzeichnen, in dem sie den Hörern die Notenwerte mal ganz klanglich nahe bringen. Ein gewisser „Herr Mozart“ muss im Interview zu musiktheoretischen Fragen Rede und Antwort stehen. Die fertigen Aufnahmen publizieren die 10-jährigen dann einfach per Fingertipp auf das Schulwiki. Die Oberstufe geht sogar noch weiter: Ein Projektkurs “Songwriting” bei dem die Lernenden Songs und Beats für eine CD selbst komponieren und präsentieren wäre ohne die Tablets und spezielle Musik-Apps nicht zu realisieren. Die Schüler der Stufe 11 nutzen dabei  die App iMaschine, die auch von erfolgreichen HipHop-Produzenten eingesetzt wird. Max* kommentiert die Arbeit so: “Damit programmieren wir ultradicke Beats mit fettem Bass und mixen Effekte und Livevocals dazu”. Ihren fertigen Song laden sie auf ihren Soundcloundchannel hoch, um ihn mit anderen zu teilen. Viele, sonst trockene Aufgabenstellungen werden nun hochmotiviert und zumindest subjektiv selbstständiger, produktiver weil aktiv und nachhaltiger erledigt. Die Schüler machen – früher mussten sie mitmachen. Das Wiki der Schule enthält fast 2900 Einträge, die von den Lernenden selbst erstellt und kollaborativ verbessert werden. Ausgewählte Beiträge werden zur Zeit von unseren Schülern zu einem iBook für die Schule zusammengefasst. Mittels integrierter, interaktiver Audio, Video und Bildmaterialien und Quizzes wird der Lernprozess mit dem iBook intensiviert. Das fertige Produkt soll dann auf die iPads übertragen und im Internet als kostenloses, unter Creative Commons stehendem Lernmaterial zum Download und zur weiteren Nutzung und Weiterentwicklung bereitgestellt werden. Durch integrierte Weblinks wird das “Buch” wieder mit dem Wiki als Lernplattform verbunden. Das Wikiprojekt der Schule stieß bei der Schulverwaltung Köln auf positive Resonanz und dient als Modell für ein stadtweites Schulwiki für alle Kölner Schulen ab Sommer/Herbst 2012.

Die “digitale Kompetenz” der Lernenden wird durch konstruktive Nutzung der Medien geschult, muss aber auch in Zukunft auf “sicheren” Säulen stehen. Eine Äußerung von Lisa* aus Klasse 5 zeigt uns, wie wichtig dies ist: “Herr Spang, es gibt Probleme in unserer Facebookgruppe – einer aus der Klasse postet da und ärgert uns”. Deshalb entwickeln wir zusammen mit den Lernenden einen Medienführerschein und ein Modell “Medienscout”,. denn auch die “Digital Natives” brauchen einen roten Faden durch die Welt (der Medien) – daran hat sich auch heute nichts geändert.

Schule wird nicht überflüssig, aber sie wird anders.

*Namen geändert.

Über André J. Spang (@Tastenspieler)

Lehrender, Musiker, Komponist, Pianist, Blogger...

Eine Antwort »

  1. […] iPads durchgeführt oder auch erst möglich wurden, habe ich in den letzten Posts, hier, hier und hier schon ausführlich […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s