Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, liebe Kolleginnen und Kollegen,

seit dem ersten Februar 2011, dem Start dieses iPad-Projekts („Modell: 1:n“) mit 30 iPads in 3 mobilen Rollkoffern an der Kaiserin Augusta Schule gibt es viel darüber zu berichten, was sich in diesen vergangenen 11 Monaten entwickelt hat. Unser Aufschlag im Bereich des „mobilen Klassenzimmers“ mittels iPad hat großes Interesse in der Schule und Schulgemeinde, aber auch in einer breiten Öffentlichkeit gefunden und wurde kontrovers diskutiert und kommentiert. Das Interesse zeigte sich in unzähligen Mails, Telefonaten, Gesprächen, wöchentlichen Besuchen von Kollegen anderer Schulen und Dozenten und Professoren verschiedener Universitäten aus dem In- und Ausland, einem starken Medienecho, Vorträgen und Präsentationen, SpeedLabs und Podiumsdiskussionen und mittlerweile mehr als 46000 Besuchern auf diesem Blog. Natürlich haben wir die Idee des Klassenzimmers mit iPad nicht erfunden, denn vor uns gab es vor allem im Ausland (USA), aber auch in Deutschland, der Schweiz und Österreich schon andere Schulen, die mit dem Einsatz von Tablets im Unterricht positive Erfahrungen sammeln konnten und nun nach unserem Vorbild auch darüber bloggen.

Oh Tannenbaum!

iPad-KAS im Detail

Was „unser“ Projekt etwas einzigartig macht ist einerseits die Tatsache, dass wir ein „normales“ städtisches Gymnasium in Köln mit einer heterogenen Schülerschaft sind und, dass wir das Projekt durch Mittel des Fördervereins der Schule finanziert haben. Durch die regelmässige Dokumentation der Unterrichtseinsätze auf diesem Blog, durch Schulungen der Kollegen und kontinuierlichen Einsatz, haben wir es geschafft eine breite Akzeptanz der Möglichkeiten des mobilen, individualisierten Lernens mit den Tablets im Kollegium zu erreichen, denn immerhin mehr als 45 von 75 Kollegen setzen die iPads im Unterricht ein und haben damit fast alle 1000 Schüler der KAS in nun mehr als 1000 Einsatzstunden erreicht. Dabei sollte erwähnt werden, dass alle Devices vollständig und unbeschädigt (!) erhalten sind und sich für ein kommendes Jahr 2012 mit vielen Einsätzen bereit machen (= aufladen😉 ).

Die Installation einer sogenannten 1:1-Klasse, bei der die Schüler einer Klasse jeweils ein eigenes, elternfinanziertes iPad besitzen, das dann ständiger Begleiter ist und auch mit nach Hause genommen wird, ist uns leider nicht gelungen. Dennoch hat das Projekt Öffentlichkeit und Interesse innerhalb der Stadt Köln und im gesamten Bundesgebiet geschaffen, viele Nachahmer gefunden und auch an zahlreichen anderen Schulen Mut gemacht, 1:n oder  1:1 Modelle zu installieren. Darüber hinaus sind wir in Kontakt mit anderen Schulen, auch im Ausland (z.B. Petalax/Finnland und Stettin/Polen) gekommen, die ebenfalls schon viele Erfahrungen mit dem Einsatz von iPads oder mobilen Devices im Unterricht gemacht haben. Hier werden wir in Kürze Kooperationsprojekte über das Netz starten können. Wohin die Reise in Zukunft bzgl. der Ausstattung der Schulen und der Nutzung von mobilen Devices und Internet im Unterricht geht ist noch ungewiss, fest steht jedoch, dass sich die „Zeiten ändern“ und dies mit einer großen Geschwindigkeit wie z.B. der folgende YouTube-Clip über die Entwicklung des mobilen Internets zeigt:

(ganz aktuell – siehe auch: „mobile year 2011 in review“)

Leitmedienwechsel & Perspektiven

Vielleicht wird die Entwicklung ähnlich sein, wie bereits in einigen Schulen in USA schon praktiziert und die Schüler/Studenten setzen ihre eigenen, bereits vorhandenen, privaten mobilen Geräte (Laptops, Smartphones, Tablets, Netbooks) ein. Fest steht, dass es dafür Konzepte geben muss, denn das einfache Recherchieren im Netz wird – bei der bereits vorhandenen Menge an Daten (1,8 ZB = 1,8 Zetabyte = 57,5 Milliarden iPads mit 32GB Speicher), die sich in naher Zukunft noch exponentiell vergrößern wird und laut Prognosen im Jahr 2020, dem Jahr in dem die sog. „Digital Natives“ ins Berufsleben eintreten, alle 15 Minuten um das Doppelte zunimmt – der sprichwörtlichen „Suche nach der Nadel im Heuhaufen“ immer ähnlicher. Der „Internet-Boom“ – wie die Welt im aktuellen und sehr lesenswerten Artikel „Die Digitalen kommen“ schreibt, führt zu einer rasanten Veränderung des Wissens, zu drastischen Veränderungen der Wirtschaft und kann sogar Revolutionen in Staatssystemen (via „Twitter“) auslösen. Da muss man sich „mit dem Gedanken anfreunden, dass Schulbücher eine veraltete Technik sind“ – so zumindest „Die Welt“. Im Angesicht dieser Entwicklungen scheint es sinnvoll und keinesfalls aktionistisch zu sein, schon jetzt aktiv mit den auf uns zukommenden Veränderungen, Chancen und Anforderungen des Lernens in der digitalen Wissensgesellschaft umzugehen und sie konstruktiv ins Unterrichtsgeschehen zu integrieren, um so auf die Lebenswelten der Lernenden einzugehen. Hier kommen auf die Lehrenden mit ihrem ohnehin schon sehr fordernden Beruf in rasantem Tempo neue Aufgaben und Anforderungsbereiche zu, bei deren Erledigung und Realisierung man sie, wie so oft „ins kalte Wasser“ wirft und die als Resultat des Leitmedienwechsels zu einer gänzlich neuen Rolle des Lehrenden führen könnten: Weg vom professionellen Wissen hin zur professionellen Intelligenz? Auf diese Frage geht z.B. Prof. Dr. Gunter Dueck in seinem Vortrag ein (Achtung: Langes, aber lohnenswertes Video😉 ):

Zahlen und Fakten

Doch zurück zu den Fakten unseres Projektes: Besonders freut es uns, dass die Schülerinnen (die „Lernenden“) viel Spaß und Motivation beim Einsatz der Geräte im Unterricht hatten und durch die iPads ein Stück auf dem Weg des individualisierten, selbstbestimmten Lernens und der Erlangung von Medienkompetenz in der Schule vorangekommen sind. Dies haben uns die Schüler konkret in einer Umfrage, die wir bereits vor den Sommerferien gemacht haben, zurückgemeldet, dies haben wir aber auch in zahlreichen Unterrichtssituationen erfahren und an den konkreten Ergebnissen messen können. Die Schüler arbeiteten mit verschiedenen Apps z.B. an Präsentationen, Textdokumenten, Tabellen, mathematischen Graphen, Grafiken und Mindmaps und erstellten Sound, Video und Songs oder Interneteinträge, um nur einige Anwendungsbereiche zu nennen. Dabei recherchierten sie, analysierten Filme und YouTube-Videos, sammelten Fotos z.B: bei Wiki-Commons und rearrangierten diese, nahmen Audioclips auf, verschickten Mails oder posteten auf Soundcloud, WordPress, Wiki oder Twitter: Medienkompetenz durch aktive, kritisch-analytische und mündige Nutzung der Medien und verantwortungsvolles sowie partizipatives Handeln und Verhalten im Netz.

Wie sich das Lernen mit iPad und Internet insgesamt verändert und, ob es sich nachhaltig positiv auf den Lernzuwachs und das selbstständige, medienkompetente Arbeiten der Lernenden auswirkt, wollen wir in einer breiter angelegten Studie gegen Ende des Schuljahres und dann nach knapp anderthalb Jahren iPad-Einsatz evaluieren. Man darf also gespannt sein.

KAS-Wiki

Anwendungsbeispiele

Besonders vorangekommen ist im Zusammenhang mit der Arbeit auf den iPads unser Schulwiki, auf dem die Lernenden einen beachtlichen Teil an freiem Wissen im Internet erstellt haben. Dies gelang mit den iPads ganz unproblematisch in unterschiedlichsten Fächern und zu breitgefächerten Themen. Auf unserem Wiki gibt es von den Schülern erstellte Quizzes, Begriffserklärungen, Mathematikaufgaben samt Lösungsweg, Versuchsbeschreibungen, philosophische Abhandlungen, ein sozialwissenschaftliches Forum, physikalische und chemische Formeln, Musik und Videos, vieles mehr und sogar eine Klassenarbeit, die im Wiki geschrieben wurde. Insgesamt besitzt unser Wiki fast 700 Inhaltsseiten bei knapp 700000 Seitenaufrufen. Besonders freut es uns, dass dieses „Modell“ großen Anklang beim Schulamt der Stadt Köln gefunden hat und man dort nun laut darüber nachdenkt ein gemeinsames Wiki für alle (!) Kölner Schulen anzubieten, was ein wegweisendes Projekt zum vernetzenden, individualisierten und selbstbestimmten Lernen im und mit dem Netz wäre. Die Vernetzung und Partizipation die bereits in unserem Schulwiki klassen- und altersübergreifend stattfindet und so die Barrieren zwischen den Klassenräumen und Lerngruppen einreisst, würde sich dann auf alle Schulen und Schulformen Kölns übertragen und ähnlich „der Wikipedia“ dem Gedanken des freien, gemeinschaftlich geschaffenen Wissens im Internet Vortrieb geben – eine spannende Vorstellung und eine verantwortungsvolle Aufgabe für die Lernenden Kölns!

Thank you!

Insgesamt gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Schulbehörde und hier speziell mit der IT-Abteilung der Stadt und unserem Netzanbieter, Netcologne-Schulsupport, die unser eigenmächtiges Vorpreschen in Sachen iPad und W-Lan verständlicherweise zunächst kritisch beäugt, nun aber sehr wohlwollend, hilfsbereit und professionell unterstützen, als sehr angenehm und zukunftsweisend. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken.🙂

Und „last but not least“ danken wir allen Kolleginnen und Kollegen, die uns bei diesem neuen Weg des Lehrens und Lernens unterstützt und die die iPads selbst im Unterricht genutzt haben, aber auch bei denen die dieses Projekt kritisch betrachten, kommentieren und uns zum Nachdenken und Reflektieren anregten.

Frohe Weihnachten 2011 und alles Gute für 2012 wünscht das #iPad-KAS-Team!

Reisegepäck!

Über André J. Spang (@Tastenspieler)

Lehrender, Musiker, Komponist, Pianist, Blogger...

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  1. Ralf Lippold sagt:

    Excellent – more of that!!! PLEASE! We have something similar ongoing in early stage – if interested to hear more please let us know.

  2. […] schon mal eine Klassenarbeit in einem Wiki und sozusagen weltöffentlich geschrieben.  (Und hier noch ein Beitrag aus Köln, der Ideen für den Unterricht mit Tablets […]

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