Ein ereignisreiches Jahr geht für das iPad-Projekt der KAS nun zu Ende und mit diesem Post #160 möchten wir uns in diesem Jahr verabschieden, aber auch einen Ausblick auf das kommende, nicht weniger spannende Jahr 2013 geben. Seit dem ersten Februar 2011, dem Start dieses iPad-Projekts (“Modell: 1:n”) mit 30 iPads. 2 MacBooks und 3 AirportExtreme W-Lans in 3 mobilen Rollkoffern an der Kaiserin Augusta Schule (KAS) sind wir nun bereits insgesamt 23 Monate im Bereich des sogenannten “mobilen Lernens” dabei eine sich verändernde Lernkultur zusammen mit den Lernenden zu erfahren, zu leben und zu hinterfragen.

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Ein paar Zahlen

Insgesamt 2400 Einsatzstunden in allen (auch Sport!) Fächern und bei mehr als 45 verschiedenen Kolleginnen und Kollegen und fast allen unserer 1000 Schüler haben “unsere” iPads nun auf dem “Zähler” und funktionieren noch  - abgesehen von einem bereits wieder reparierten Glasbruch wie am ersten Tag. Unser Projekt genießt weiterhin ungebrochenes und sehr großes Interesse in der gesamten Republik und auch im Ausland, wie die Blogstatistik und tägliche, uns erreichende Anfragen, Mails, Telefonate von Schulen, Kollegen, Universitäten und den Medien zeigen. Viele Bildungseinrichtungen führen nun ähnliche Projekte durch, was uns freut und von deren Ideen und Konzepten wir wiederum profitieren können. Das Blog ist mit seinen über 110000 Hits aus fast allen Ländern der Welt Hauptanlaufstelle des Interesses und dafür bedanken wir uns.

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On tour

Auch in diesem Jahr gab es viele Anfragen und Gelegenheiten, das iPad-Projekt auf  Tagungen, Podiumsdiskussionen, in Gremien und Expertenkreisen und bei Videokonferenzen zu präsentieren. Bei diesem Austausch mit anderen Experten im Bereich des mobilen Lernens und der “digitalen” Bildung lernt man stets selbst viel dazu, was wieder in die eigene Unterrichtspraxis zurückfließen kann – sozusagen eine Dauerfortbildung. Zu Beginn des Jahres war ich zu Gast bei der “Dialogkonferenz” der Stadt Köln. Diese Präsentation vor Schulleitern, Akteuren des lokalen Bildungsbüros und des Schulträgers war ein wichtiger Meilenstein in Bezug auf Entscheidungen im Bereich der stärkeren Betonung des Lernens mit digitalen Medien und des mobilen Lernens in der Kölner Bildungslandschaft. Zum meiner Präsentation im Rahmen der Dialogkonferenz geht es hier. Weitere Einzelheiten konnte man bereits hier lesen.

Besonders gefreut haben wir uns über eine Einladung zum ersten Kölner Bildungstag im Komed, der am 15.09. zum Thema “Individualisiertes Lernen – Wege zum Umgang mit Heterogenität” stattfand und bei dem wir iPad-Projekt und KAS-Wiki im Workshop “Neue Medien als Katalysator für individuelles Lernen” vorstellen konnten. Zur Präsentation geht es hier.

Die Hauptthemen des Bildungstages waren individualisiertes Lernen und Inklusion. Neben den Fachforen gab es auch Informationsstände und Vorträge sowie Podiumsdiskussion. Teilnehmer waren ua.: Prof. Dr. Andreas Helmke, Uni Koblenz, Sylvia Löhrmann, Ministerin des Landes Nordrhein-Westfalen für Schule und Weiterbildung, Prof. Dr. Kersten Reich, Universität zu Köln, Bernd Knorreck, Schulleiter des Genoveva- Gymnasiums Köln, Träger „Deutscher Schulpreis 2011“

 

#ecco12 – EduCampCologne an der KAS

Im März diesen Jahres hatten wir die Gelegenheit ein sogenanntes Educamp für und in Köln zu organisieren, das ecco12. Dieses fand im März in den Räumlichkeiten der KAS an einem Wochenende statt und bescherte der KAS ganz nebenbei einen schnellen Internetzugang, den wir seitdem gerne mit Lernenden und Lehrenden nutzen und der natürlich auch dem iPad-Projekt sehr zugute kommt. Das Educamp bot Diskussionen und Kreationen zu breit aufgestellten Themen im Bereich der “digitalen” Bildung, wie OER, Identität2.0, mobiles Lernen, Wiki, aber auch sogenannte “Eduhacks”. Für den Support möchten wir dem Amt für Schulentwicklung und auch dem Schulsupport der Firma Netcologne und natürlich dem ecco12 Team nochmals danken.

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mobiles Abitur?

Auch im Jahr 2012 hatten sich Schüler, die das Fach Musik mündlich belegt hatten wie bereits im Vorjahr dazu entschlossen, eine sogenannte fachpraktische Prüfung abzulegen und dabei produktorientiert zu arbeiten. Mit den iPads und der Anwendung “GarageBand” wurden dabei Songs entsprechend vorgegebener Kriterien komponiert und produziert und anschliessend der Kommission vorgestellt. Dies klappte, genau wie im Vorjahr reibungslos.

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eBooks vs. iBooks, Schultrojaner, digitale Demenz und flüssige Schulbücher

In einem Rückblick darf dies selbstverständlich nicht fehlen, denn schon zu Anfang des Jahres ereignete sich anscheinend Großes – jedenfalls anderswo. Im Januar stellte Apple seine kostenlose Software “iBooks Author” vor, mit der es ein Leichtes ist – den entsprechenden Content vorausgesetzt –  ein ansprechendes, interaktives eBook mit medialen Inhalten, Quizzes und Vernetzung ins Web zu erstellen. Ein kleiner Haken ist dabei: Die eBooks nennen sich bei Apple “iBooks” und laufen ausschließlich auf iOS-Geräten (iPods, iPhones, iPads) der Firma Apple. Dennoch: In den USA bekannten sich die großen Schulbuchverlage zu diesem Modell und brachten die Schulbücher in diesem, interaktiven Format heraus. In Polen wiederum sollten Schulbücher für verschiedene Jahrgänge gleich gänzlich kostenlos, frei und veränderbar als eBooks erscheinen und unter CreativeCommons Lizenz gestellt werden. In Deutschland kämpften wir derzeit noch mit dem Schrecken des sogenannten “Schultrojaners“. Wir fanden die Möglichkeit mit den Lernenden “eigene” Lernmaterialien zu produzieren sehr spannend und durch unser Wiki hatten wir viele Contents inklusive interaktiver Inhalte und lizenzfreier Bilder schon zur Verfügung. Also machten wir uns an die Arbeit und begannen mit der Produktion eines iSchulbuch für die KAS.

Die Produktion von eBooks bereitet den Lernenden immer noch Spaß und Motivation, mittlerweile gibt es auch Möglichkeiten diese mit einer entsprechenden App (dem CBB) auf den iPads selbst zu erstellen. Diese lässt auch plattformübergreifende Formate zu und ist so einfach zu bedienen, dass auch die “Rookies” aus Klasse 5 schon ihre eigenen eBooks produzieren:

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Veränderungen bringen Ängste mit sich, diese lassen sich leicht schüren und als ob der “Schultrojaner” nicht schon genug war, konnte man an vielen Stellen von einem deutschen Phänomen, der sogenannten “digitalen Demenz” lesen, hören oder gar sehen. An dieser Stelle zu diesem Thema viel zu diskutieren – geschenkt, denn dies wurde an anderen Stellen pro und contra schon zur Genüge getan. Fest steht, dass Panikmache einer konstruktiven und objektiven Auseinandersetzung mit digitalen Medien ebenso abträglich ist, wie Blindheit. Dass aber an der Nutzung der digitalen Medien auch in der Schule in Zukunft nichts mehr vorbei führt, um einer sich ändernden Lernkultur und dem sich vollziehenden Leitmedienwechsel in der digitalen Wissensgesellschaft Rechnung zu tragen, dürfte klar sein. Die wirklich spannende Frage ist eher das: Wie?

Alles wird gut: Dies zeigt auch die neuliche Meldung, dass der Schultrojaner nun endgültig, auch durch den von allen Seiten ausgeübten Druck in der Versenkung verschwunden ist und wir Lehrende nun doch tatsächlich auch (geringe) Teile der von uns käuflich erworbenen Schulbücher digitalisieren und speichern dürfen. Und ganz nebenbei sind auch die uns bekannten Schulbücher aller Verlage auf gutem Wege als digitales Pendant verfügbar zu werden.

 

SchulWiki der Stadt Köln

Eine wegweisende Neuerung im Bereich der offenen, partizipativen Lernplattformen ist im November diesen Jahres gestartet: Das SchulWiki der Stadt Köln. Hier bewiesen das Amt für Schulentwicklung und das Amt für Informationstechnologie der Stadt Köln Mut und Weitsicht, eine solche Plattform auf die Beine zu stellen. Das SchulWiki orientiert sich am großen Vorbild, der “Wikipedia”, die es ermöglicht, dass jeder sein Wissen mit anderen teilt und kostenlos jedem Nutzer des Internets zur Verfügung stellt. Im Hinblick auf die Lernenden aller Schulen Kölns bedeutet dies eine Partizipationsmöglichkeit aller Akteure der Bildungslandschaft Köln. Aller Anfang ist schwer und entsprechende Inhalte und Diskussionen müssen das Wiki nun mit Leben füllen. Dass dies aber funktioniert zeigten bereits unser eigenes schulinternes Wiki, das KAS-Wiki, welches auch als Vorbild für das SchulWiki-Köln diente und die vielen anderen Wikis, die von Schulen bereits genutzt werden bis hin zur Wikiversity für Universitäten.

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ipadkas doing the movies

Nach diesem recht textlastigen Anfang nun zur Auflockerung und Entspannung zwei Filme, die mit den iPads in diesem Jahr von Schülern produziert wurden. Die Lernenden hatten dazu ausschließlich die iPads zur Verfügung und fotografierten, filmten, schnitten, loopten und produzierten Musik, um schließlich den fertigen Film auf YouTube zu veröffentlichen. Im ersten Beispiel sehen Sie einen Dokumentarfilm über die Kirchen rund um die KAS, produziert von Lernenden der Klasse 5.

Der zweite Beitrag zeigt einen Kurzfilm zum Thema “Sommer in Köln”. Wer Gummibärchen mag… ;)

 

und sonst?

Wem dies an Informationen noch nicht reicht, kann auch das Blogarchiv zu Rate ziehen und sich von Januar, indem es eher ruhig war, über den Februar mit der 5. Kölner Jahreszeit, den März mit EduCamp und Softwareupdate, den April, in dem bereits getwittert wurde, hin zum Mai mit neuen Apps und Filmproduktionsstarts, über den Juni mit Schwerpunkt Projektlernen und Interviews und den Juli mit Zahlen und noch mehr Projektlernen in den Ferienmonat August mit fast nichts, weiter zum September mit Bildungstag, Rookies und dem Einzug auf der Apple Homepage, sowie einem OER-Camp, weiter zum Oktober mit 100000 Besuchern auf dem Blog zum November mit digitalen Schulbüchern und endlich zum Dezember mit Tweets vom und an den Papst, einem weiteren Softwareupdate und “digitalen Tafeln” durchklicken. Ufff! Ein Satz an dem Deutschlehrer ihre Freude haben ;)

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Sieht man sich den “Mobile Review 2012″ an und betrachtet sich die kometenhaft ansteigenden Zugriffszahlen eines Musikvideos, das mit seinem “Gangnam-Style” in nicht mal 4 Monaten 1 Milliarde Klicks geschafft hat, den Zuwachs sozialer Netzwerke, Tweets, Datenmengen, Katzenvideos und ein bereits existierender Foursquare Check-In auf dem Mars ;) wird es in Zukunft weiter spannend und rasant bleiben.

In einer derart schnelllebigen Welt, in der sich Dinge ändern, bevor sie richtig begonnen haben, Informationen und Wissen fast überall und ständig verfügbar sind, sind wir als Pädagogen mehr denn je gefordert.  Das Lernen von Fakten tritt zunehmend in den Hintergrund und es geht um Partizipation, soziale Kompetenzen und Verantwortung. In einer Welt in der Realität und Virtualität immer mehr verschmelzen gewinnt die Kommunikationskultur- und Kompetenz  eine immer größere Bedeutung. Die versierte, produktive und kritische Nutzung der “Digitalität” wird im Sinne einer “i-Literacy” eine, wenn nicht die Kernkompetenz der nächsten Generationen werden, wenn die uns umgebende Technik immer noch rasanter wird und kommende Computergenerationen bald die “Rechenleistung” der gesamten Menschheit übertreffen, wie uns zumindest “Did you know 3.0″ zeigen will:

Kommende Generationen an Lernenden werden vielleicht ihre eigenen, internetfähigen Devices, Smartphones oder Tablets (Bring Your Own Device, BYOD) in Bildungseinrichtungen nutzen, wie einst das Heft, das Buch und das Federmäppchen oder ich noch die gute, alte Schiefertafel.

Man kann dazu stehen wie man will, fest steht, dass das “Internet und die digitalen Medien keine Technologie sondern Kultur und Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen unserer Zeit sind” und wir sie ernst nehmen müssen. (via Netzgemüse, T & J. Haeusler)

Sollten wir einmal keine Idee mehr haben, etwas mit unseren iPads anzufangen, dann bleibt immer noch eine praktisch-haptische Anwendungsmöglichkeit als Ausweg:

Dank an alle ipadeinsetzenden Kollegen, das iPad-Team, das Amt für Schulentwicklung und Informationstechnologie der Stadt Köln, allen Lesern dieses Blogs und vor allem den Lernenden der KAS!

cu in 2013 @ #ipadkas

Über André J. Spang (@Tastenspieler)

Lehrender, Musiker, Komponist, Pianist, Blogger...

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  1. [...] „Insgesamt 2400 Einsatzstunden in allen (auch Sport!) Fächern und bei mehr als 45 verschiedenen Kolleginnen und Kollegen und fast allen unserer 1000 Schüler haben “unsere” iPads nun auf dem “Zähler” und funktionieren noch – abgesehen von einem bereits wieder reparierten Glasbruch wie am ersten Tag“, verkündet die Schule im 160. Eintrag in einem eigens für das „Projekt iPad“ eingeführten Blog. [...]

  2. [...] Spannend, dass auch im nun vergangenen Jahr 2012 die Besucher des Blogs wieder aus der ganzen Welt kamen und das Interesse weiter angestiegen ist. Viele Informationen über das Projekt jenseits der reinen Statistik habe ich bereits in einem eigenen Review zusammengefasst. [...]

  3. [...] 23 Monate #iPadKAS: Review 2012 und Perspektiven (in German) A.J. Spang, Kaiserin Augusta Schule, Cologne, Germany, 2012 Report on a 23 month iPad program in a German school. [...]

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